Die zwölfte Tour von Westwood Logistics trägt intern das Kürzel W-12: Nürnberg → Barcelona. Auf dem Trailer steht ein 54-Tonnen-Holzstapler, auf dem Navi zunächst rund 1.419 Kilometer, am Ende tatsächlich 1.421 Kilometer quer durch Mitteleuropa bis an die spanische Mittelmeerküste. Trotz zweier Blechkontakte im Fernverkehr, 17 % Schaden an der Zugmaschine, 3 % am Auflieger und 1 % Frachtverlust bleibt W-12 wirtschaftlich eine der stärksten Touren der bisherigen Firmengeschichte: Rund 97.114 € werden ausgezahlt, Bußgelder fallen keine an, das Firmenkapital steigt deutlich und legt die Basis für den ersten eigenen Lkw im Westwood-Kanon.
Start in Nürnberg: Schwerlastauftrag mit Respektfaktor
W-12 beginnt auf dem Holzverladehof eines Baumaterialbetriebs im Raum Nürnberg. Statt Palettenware oder Standardcontainern steht hier ein einziger, massiver Auftrag im Mittelpunkt: ein 54-Tonnen-Holzstapler, der auf einem Tieflader verzurrt wird. Zwischen Stapelholz, Werkslampen und Betonflächen wirkt selbst die Zugmaschine vergleichsweise klein – die Tour startet mit entsprechend stillem Respekt vor der Last.

Schon auf den ersten Metern aus dem Industriegebiet heraus verschiebt sich der Fahrstil Richtung Schwerlastmodus: früh bremsen, weite Kurven, keine spontanen Spurwechsel. W-12 ist keine Sprintstrecke, sondern ein konzentrierter Transitauftrag, der einmal quer durch Mitteleuropa führen soll – mit dem klaren Ziel, in Barcelona anzukommen, ohne den Holzlader in eine unfreiwillige Probebelastung zu schicken.
Südwestlicher Korridor: Autobahnen, Mautsysteme und Transit statt Sightseeing
Hinter Nürnberg setzt die Route auf den klassischen Südwest-Korridor: Autobahnen mit wechselnden Tempolimits, frühe Mautstationen und die ersten Grenzübertritte. Die Fracht ist schwer, aber kalkulierbar – das Ziel ist eine saubere, defensive Fahrweise ohne Experimente. Statt Stadtrunden oder Fotoumwegen dominiert Transitlogik: rechtzeitig einreihen, vorbereitet abbremsen, Fahrzeit im grünen Bereich halten.

Mit dem Grenzübertritt nach Frankreich mischen sich neue Beschilderungen, andere Mautstationen und leicht veränderte Temporegime unter den Alltag. Die Grundregel bleibt aber gleich: Der Holzstapler fährt nicht für Postkartenmotive mit, sondern für ein sechsstelligen Auftragswert – jeder unnötige Bremsmeter kostet.
Alltag im Fernverkehr: Leitplanke, dichter Verkehr und erste Blessuren
Dass selbst defensive Fahrweise Grenzen hat, zeigt sich im dichten Autobahnverkehr: Ein Pkw schert knapper ein als es der Schwerlastzug mag, der Bremsweg wird kürzer als geplant, und die Leitplanke nimmt die Einladung zum Kontakt an. Der Einschlag bleibt überschaubar, die Zugmaschine trägt die Hauptlast der Kräfte, Auflieger und Ladung kommen zunächst noch glimpflich davon.
Das Bemerkenswerte aus Westwood-Sicht: 0 € Bußgeld. Der Vorfall landet im Schadenlog, nicht in der Strafen-Spalte. Für die Disposition ist das eine dieser typisch ambivalenten Notizen: Ärger über Blech, aber Erleichterung darüber, dass zumindest die Behörden nicht mitkassieren.
Mautstelle und Gendarmerie: Blechschaden im Stand, Bilanz im Plus
Einige hundert Kilometer später folgt die zweite Episode, die W-12 ins Gedächtnis ruft: An einer französischen Mautstelle steht der Schwerlastzug ordnungsgemäß in der Kolonne, als ein Gendarmerie-Fahrzeug hinten aufläuft. Kein spektakulärer Crash, aber genug, um die bereits angeschlagene Zugmaschine weiter zu zeichnen, dem Auflieger einige Prozent Schaden zu spendieren und schließlich doch noch 1 % Frachtverlust zu verursachen.
Die Zahlen am Ende des Tages: 17 % Schaden an der Zugmaschine, 3 % am Auflieger, 1 % an der Fracht, aber weiterhin 0 € Bußgelder. Der Auftraggeber zieht knapp zwei Prozent vom Auftragswert ab, zahlt am Ende dennoch über 97.000 € aus. Die Werkstatt wird sich später mit den Blessuren beschäftigen – im WL-Finanzlog bleibt W-12 trotz Blechkontakt eine nahezu lehrbuchhafte Cash-Tour.

Lyon und der lange Weg nach Süden: Stadtautobahnen statt Sightseeing
Im Großraum Lyon zeigt sich der klassische Spagat zwischen Metropolenverkehr und Fernroute. Stadtautobahnen mit Tunnelportalen, mehrfach verschachtelte Auffahrten und dichter Feierabendverkehr legen sich vor die Spur des Holzstaplers. Die Tour bleibt konsequent im Transitmodus: möglichst wenig Spurwechsel, klare Linien, kein freiwilliger Abstecher in Innenstadt oder Altstadt.

Nach Einbruch der Dunkelheit taucht das Musée des Confluences mit seiner beleuchteten Silhouette auf. Glasflächen, Kanten und Lichtkegel bilden eine futuristische Kulisse, während der Schwertransport auf der Parallelspur vorbeizieht. Für einen Moment gibt es doch so etwas wie Sightseeing – allerdings strikt aus der Kabinenperspektive und ohne auch nur einen Meter Umweg zu fahren.

Grenzregion und Spanien: Hügellandschaft statt Postkarte
Je näher die spanische Grenze rückt, desto länger werden die Steigungen und Tunnelpassagen. Die Kombination aus Vorschäden und Gewicht sorgt dafür, dass W-12 spürbar vorsichtiger gefahren wird: früher runter vom Gas, mehr Sicherheitsabstand, kein hektisches Überholen. Der Auftrag wandelt sich endgültig zur reinen Transitmission – die Landschaft liefert Kulisse, aber nicht das Programm.

In Spanien wechseln sich Hügellandschaften, kleinere Dörfer und breite Transitachsen ab. W-12 bleibt dem Konzept treu: keine unnötigen Abstecher, kein Stadtbummeln, dafür stetige Kilometer, bis der Großraum Barcelona in Sicht kommt.
Barcelona: Hafenseilbahn, Kolumbusdenkmal und Zielhof RT-Log
Im Großraum Barcelona verdichtet sich der Verkehr erneut. Zwischen mehrspurigen Zufahrten, Hafenanlagen und Stadtarchitektur tauchen zwei Motive auf, die W-12 im Logbuch fest verankern: die Hafenseilbahn über den Hafenanlagen und das Kolumbusdenkmal an der Uferzone. Während Kabinen durch die Luft ziehen und die Statue auf die See zeigt, rollt der Holzstapler im ganz normalen Logistiktempo durch die katalanische Metropole.

Der letzte Akt spielt auf dem Hof von RT-Log in Barcelona. Zwischen Lagerhallen, Rampen und Beleuchtungsmasten wird der 54-Tonnen-Holzstapler sauber an die Entladestelle gebracht. Trotz sichtbarer Vorschäden rangiert der Zug präzise, der Auftrag wird abgeschlossen, die Fracht – bis auf den dokumentierten 1 % – übergeben.

In der Abrechnung bleibt W-12 trotz Schäden eine Referenzfahrt: ein sechsstelliger Auftragswert, ein Abschlag von knapp zwei Prozent wegen Frachtmacken, ansonsten 0 € Bußgelder und keine verbuchten Reparaturkosten. Unterm Strich stehen 97.114 € Profit und ein Firmenkapital, das nach Abschluss der Tour genug Puffer für den ersten eigenen Truck bietet. Damit ist W-12 nicht nur eine internationale Schwerlasttour, sondern der wirtschaftliche Meilenstein, auf dem die nächste Ausbaustufe von Westwood Logistics aufbaut.
