Die fünfte Linie von Westwood Logistics trägt intern das Kürzel W-05: Kiel → Dresden, mit weitem Bogen über Rostock und Berlin. Auf dem Frachtzettel stehen 15 Tonnen Kleidung, auf dem Navi zunächst 596 Kilometer – am Ende werden es rund 735 Kilometer, weil die Tour nicht nur zwei neue Städte ins Netz holt, sondern auch eine ausgedehnte Stadtrunde durch die Hauptstadt mitnimmt. Trotz eines leichten Bußgeldvorfalls in Rostock bleibt W-05 eine solide und schadensfreie Fernfahrt.
Start in Kiel: Bahnhofsdächer und Nordlicht
W-05 setzt dort an, wo W-04 aufgehört hat: in Kiel am Hauptbahnhof. Unter den geschwungenen Bahnsteigdächern rollen die Züge ein und aus, während der Lkw auf der Straße davor bereitsteht. Die Erntebehälter aus der letzten Tour sind längst abgeladen, jetzt wartet neue Ware und ein neuer Lauf quer in den Osten.

Von hier aus geht es zunächst Richtung Süden und Nordosten: Ziel ist ein Bogen über Rostock, bevor die Route sich nach Berlin und dann weiter nach Dresden zieht. Der Kontrast zwischen Nordsee- und Ostsee-Nähe, Hauptstadtverkehr und sächsischem Elbtal macht die Linie zu einer der abwechslungsreichsten der Frühphase von Westwood Logistics.
Rostock: Hafen, Fassaden und Backstein-Gotik
Erster größerer Halt auf der Strecke ist Rostock. Am Stadthafen liegen Sportboote im Wasser, der Wind zieht über den Anleger, und der Lkw reiht sich kurz in die Kulisse ein. Für einen Moment fühlt sich W-05 fast wie ein Ostsee-Wochenende an – wäre da nicht der Trailer hinten dran, der an die eigentliche Aufgabe erinnert.

Ein paar Straßen weiter taucht eine großflächige Werbefassade mit Energiepanel und Tierfiguren auf – ein Zebra, ein Panda, eine Giraffe über der Straße. Rostock wirkt an dieser Stelle eher wie ein groß gewordenes Stadtlabor für Werbeagenturen als wie eine klassische Hansestadt.

Ganz ohne Backstein geht es aber nicht: Die Petrikirche ragt im Hintergrund über die Dächer, typische norddeutsche Backstein-Gotik. Ein kurzer Abstecher aus der Hafenumgebung zurück in die Altstadtsilhouette, dann ruft wieder die Fernstrecke.

In Rostock fällt auch das einzige Bußgeld der Tour: ein Unfall mit 0 % Schaden, aber 180 € Strafe. Finanziell verschmerzbar, fahrerisch eine Erinnerung daran, wie eng es in Stadtverkehr und Kreuzungsbereichen werden kann.
Berlin: Hauptstadt-Runde zwischen Dom, Tor und Reichstag
Von der Ostseeküste geht es weiter auf die Hauptstadt zu. Das Ortseingangsschild Berlin markiert den Übergang von der langen Anfahrt in den dichten Stadtverkehr. Ab hier verwandelt sich W-05 von einer klassischen Fernfahrt in eine kleine Sightseeing-Tour im schweren Gerät.

Zwischen Spree, Museumsinsel und Regierungsviertel reiht sich ein Motiv an das andere. Am Ufer dominiert der Berliner Dom die Szene; Ausflugsschiffe liegen bereit, die Promenade ist der optische Rahmen, während der Truck auf der Straße oben vorbeizieht.

Ein paar Straßen weiter wartet der vielleicht bekannteste Blick der Stadt: das Brandenburger Tor, dahinter die Blickachse zur Siegessäule. Normalerweise voller Menschen, liegt der Platz diesmal fast leer, während der Lkw im Hintergrund vorbeizieht – eine seltene Gelegenheit, das Motiv ohne großes Gedränge mitzunehmen.

Im Regierungsviertel selbst steht der Reichstag im Flutlicht. Die Kuppel leuchtet, die Bannmeile ist abgesperrt, und der Truck bleibt auf Abstand. Trotzdem reicht es für einen klaren Blick auf das Gebäude, bevor es wieder hinaus auf die großen Verkehrsachsen geht.

Am westlichen Rand der Stadt markieren ICC, Funkturm und Messehallen das Ende der Hauptstadt-Runde. Die Messearchitektur leuchtet, der Funkturm steht wie ein Relikt einer früheren Funkära über dem Gelände. Kurz darauf weist die Beschilderung Richtung Dresden und Neukölln den Weg hinaus – Berlin verschwindet über das Stadtende-Schild wieder im Rückspiegel.

Dresden: Elbtal, Begerburg und Verwaltungsbauten
Auf dem Weg nach Dresden wird die Strecke wieder ruhiger. Eine grüne Talpassage mit Straße, Bahntrasse und Bachlauf führt in Richtung Elbmetropole; der Lkw folgt der Kurve, während im Hintergrund bereits die ersten Anhöhen der Stadtregion auftauchen.

Oberhalb der Strecke thront die Begerburg auf ihrem Felsen. Zwischen Felswand, Bäumen und Burgmauern wirkt die Szene fast wie ein Mittelalter-Setting mit moderner Straßenführung – ein typischer ETS2-Moment, in dem Kulisse und Logistik dicht beieinander liegen.

Unten an der Elbe reiht sich ein monumentaler Verwaltungs- oder Justizbau an den nächsten. Breite Treppen führen zum Fluss, rote Dächer prägen die Silhouette, während der Lkw auf der Uferstraße seinen Weg Richtung Ziel nimmt. Spätestens hier ist klar, dass Dresden nicht nur Altmarkt und Postkartenansicht ist, sondern auch eine massive Verwaltungs- und Justizkulisse direkt am Fluss hat.

Im Regen passiert der Lkw schließlich das Ortsschild „Landeshauptstadt Dresden“ und erreicht den Hof. Rangieren, andocken, entladen – die 15 Tonnen Kleidung kommen ohne Schaden an. Wirtschaftlich bleibt W-05 trotz des 180-€-Bußgelds eine starke Inlandsfernfahrt; strategisch bindet die Linie Kiel, Rostock, Berlin und Dresden als Achse im WL-Deutschlandnetz aneinander.
